Partnerinterviews #SOK10

„Ich wünsche mir ein lebendiges Quartier, welches ‚Zukunft zum Anfassen‘ macht. “

© Technologiestiftung Berlin

09.01.2020 | Onlineredaktion Berlin TXL

Was passiert eigentlich, wenn der Flughafen Tegel schließt? Antworten auf diese Frage gibt es bei der 10. Öffentlichen Standortkonferenz am 12. Februar 2020. Im Vorfeld der Veranstaltung sprechen Partnerinnen und Partner über die Bedeutung der Nachnutzungspläne und den Weg Berlins zur Smart City.  Dipl.-Ing. Anne-Caroline Erbstößer, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Innovation Policies & Research bei der Technologiestiftung Berlin, sieht in der Metropole Berlin Potential für eine Smart City.

Mit der Bekanntgabe des BER-Eröffnungstermins rückt auch die Tegel-Nachnutzung in greifbare Nähe. Welche Erwartungen haben Sie persönlich an die Urban Tech Republic und das Schumacher Quartier und welche Bedeutung haben die beiden Projekte für Berlin?

Ich wünsche mir ein lebendiges Quartier, welches sich auch für die Zivilgesellschaft öffnet und „Zukunft zum Anfassen“ macht. Hier sollte die Chance genutzt werden, ein realistisches Vorbild für den Rest der Stadt zu schaffen. Ein smartes Quartier mit einem transparenten und nachhaltigen Energiemanagement, welches auf erneuerbare Energien setzt und auch Nachbarschaftsprojekten Raum gibt. Ein innovativer Ort, welcher mit einem innovativen Mobiltätskonzept auf ein autofreies Areal setzt und zum Beispiel mit einem autonomen E-Shuttelbus Alternativen bietet. Insgesamt sollte das Ziel eines Null-Emmision-Plus-Energie-Campus erreicht werden, das überschüssige Ressourcen an die Nachbarschaft abgibt und selbstverständlich eine U-Bahn-Station vor der Tür hat. 

Den größten Brocken, den wir auf dem Weg zu einer Smart City ins Rollen bringen müssen, ist die Digitalisierung der Verwaltung.

Wie weit ist Berlin aus Ihrer Sicht auf dem Weg zur Smart City und wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf?

Den größten Brocken, den wir auf dem Weg zu einer Smart City ins Rollen bringen müssen, ist die Digitalisierung der Verwaltung. Wie hilfreich wäre eine E-Akte, die genau wie eine digitale Patientenakte, so viele Aufgaben vereinfachen würde. Keine fehlenden Informationen, ausreichend barrierefreie online Angebote, kein Stress beim Umzug oder bei der Kommunikation mit unterschiedlichen Ämtern. Grundlage dafür ist ein technischer Upgrade auf den aktueller Stand der Technik in allen Amtsstuben und für alle Mitarbeiter. Digitale Dienstleistungen könnten umso einfacher angeboten werden, je mehr Open Data in die Verwaltung einzieht. Die Einstellung zu innovativen Prozessen ist sicherlich eines der größten Hemmnisse auf dem Weg in eine smarte Zukunft. Mehr gestalten und weniger verwalten, das wäre ein Anfang.

Wenn Sie an die Zukunft denken, was wäre persönlich Ihr größter Wunsch für Berlin im Jahr 2030?

Nach der Eröffnung des Flughafens BER gewinnt die Metropole an Attraktivität. Gäste und Berliner Bürger genießen alternative Mobilitätsangebote und den Ausbau der Fahrradinfrastruktur, der den privaten PKW Verkehr in der Innenstadt stark reduziert hat. Der ÖPNV fährt komlett CO2-frei, natürlich mit selbst erzeugter erneuerbarer Energie. Es gibt keine Energieverschwendung mehr in Gebäuden und auf allen öffentlichen Gebäuden sind Solaranlagen installiert. Durch zahlreiche Neubauprojekte und sanfte energetische Sanierung gibt es wieder bezahlbaren Wohnraum im Kiez, die Nachbarschaft bleibt als lebendiger Kiez, im Sinne der Berliner Mischung, erhalten und viele Nachbarschaftsprojekte kümmern sich um die Lebensqualität im Quartier.

Dipl.-Ing. Anne-Caroline Erbstößer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Technologiestiftung Berlin im Bereich Innovation Policies & Research mit dem Schwerpunkt Smart City. Sie ist Diplom-Ingenieurin für Innenarchitektur und Architektur. Sie hat viele Jahre als selbständige Planerin gearbeitet, dazu lehrte sie an Berliner Hochschulen in den Bereichen Facility Management, Denkmalpflege, Baugeschichte und Baukonstruktion und war als Sachverständige für Grundstücksbewertungen sowie für Bauschäden- und  Umweltgutachten tätig. Die Technologiestiftung Berlin wird als einer unserer Partner auch bei der Standortkonferenz dabei sein.

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