Veranstaltungsbericht

Bürgertum 4.0

© Tegel Projekt GmbH

04.06.2019 | Onlineredaktion Berlin TXL

Wohin gehören wir, wenn alles im Umbruch ist? Diese Frage treibt nicht nur viele Bewohner Berlins um, sie fasst auch das Lebenswerk des Weltbürgers Charles Landry zusammen. Geboren in London, ging er für seine Ausbildung nach München und Bologna. Als Stadtplaner ist er seit über 40 Jahren ein international anerkannter Berater für die Entwicklung von Städten, Berlin ist er unter anderem als Fellow der Robert Bosch Academy verbunden. Bei der dritten Ausgabe der Gesprächsreihe „Urban Persuasion“ diskutierte Landry am 29. Mai 2019 Lösungen für „The Civic City in a Nomadic World“ – so auch der Titel seines jüngsten Buches.

Das moderne Nomadentum prägt Berlin durch die vielen Menschen, die sich spätestens seit dem Fall der Mauer für die Stadt begeistern und hierher ziehen, nicht selten als vorübergehende Station auf dem Weg zum nächsten Pool für aufstrebende Talente. Doch nicht allen „Sog-Städten“ – wie Landry sie nennt – gelingt es, die einverleibten Potenziale nachhaltig zu nutzen.

„Talent, Technologie, Toleranz – die berühmten ‚3T‘ des Ökonomen Richard Florida schienen noch Anfang der 2000er-Jahre Garanten für das wirtschaftliche Wachstum von Städten“, analysierte Philipp Bouteiller, CEO der Tegel Projekt GmbH, im Gespräch mit Charles Landry. „Die Realität hat diese Gewissheit inzwischen ein Stück weit korrigiert.“

Mit dem Konzept der Civic City versucht Landry, die nomadisch lebende kreative Klasse zu echten Bürgern zu machen und sie für die Bedürfnisse ihrer urbanen Habitate in die Verantwortung zu nehmen. Durch einen Imperativ der Teilhabe will er die Bewohner einer Stadt animieren, über das Eigeninteresse hinauszudenken. Stadtplaner sieht der 70-Jährige vor einer Aufgabe, die bei Fachleuten für in Beton gegossene Strukturen ein Umdenken erfordert: „Wir müssen in unseren Städten Orte der Begegnung und Empathie schaffen.“

Charles Landry erkennt in den Plänen für die Urban Tech Republic bereits solche Orte für Begegnungen und Philipp Bouteiller sieht gerade in der Nutzung bestehender Strukturen eine Möglichkeit, eine Stadt weiterzuentwickeln und gleichzeitig ihr Wesen zu erhalten: „In Tegel reprogrammieren wir das Alte, denn neue Ideen brauchen manchmal alte Gebäude.“

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