Essay-Reihe

5. Akt: Gamechanger Blockchain

Display mit verschiedenfarbigen Codes von Kryptowährungen © ezphoto / Shutterstock

21.09.2018 | Philipp Bouteiller

Warum plötzlich alles anders ist: Die Digitalisierung führt zu einer Phase rapider Innovationen und Marktumwälzungen. In unserer Essay-Reihe blickt Philipp Bouteiller auf die dahinter liegenden Trends und Technologien und beleuchtet, was diese für die Menschen bedeuten. Der fünfte Teil dreht sich um komplexe Technologien mit einfachen Prinzipien und um die Frage, was sich künftig alles ändern wird.

Zwei Themen tauchen immer wieder in der Presse auf: die extremen Kursschwankungen der Kryptowährung Bitcoin und die Bedrohung der Finanzindustrie (wie auch anderer Industrien) durch die Blockchain. Letzteres ist so interessant, dass wir es am Ende unserer kleinen Digitalisierungsreise noch mal explizit betrachten wollen, insbesondere, da viele darüber reden, aber die meisten das Prinzip nicht wirklich verstanden haben. 

Dabei ist das Prinzip simpel, nur die Technologie komplex: Bei jeder Geldtransaktion zwischen zwei Parteien benötigt man eine unabhängige Instanz (Bank), die sicherstellt, dass Person A die 100 €, die sie an Person B überweist, auch tatsächlich auf dem Konto hat und erst daraufhin B die 100 € gutschreibt. Später lässt sich durch die Bücher der Bank die Transaktion von A an B nachvollziehen.

Bei Blockchains ist dieser Mittelsmann nicht mehr erforderlich, da alle Systemteilnehmer sämtliche Transaktionen (verschlüsselt) auf ihrem Rechner gespeichert haben. Tritt ein Manipulationsversuch auf, wird er von allen im Verbund befindlichen Rechnern abgewehrt, da die "Prüfsummen" nicht übereinstimmen (unter Computerwissenschaftlern auch als Lösung des "Byzantinischen Fehlers" bezeichnet). Das heißt, dass die Gesamtheit aller beteiligten Rechner die Rolle des Mittelsmanns übernimmt.

Inzwischen gibt es über 1.000 verschiedene Kryptowährungen neben Bitcoin, der ersten bekannten Blockchain- oder Kryptowährung.

Damit wird die Bank tatsächlich überflüssig, zumindest für Transaktionen. Wir wissen natürlich, dass Banken noch viele andere Funktionen wahrnehmen, aber dieses ist doch historisch immer ihre zentrale Aufgabe gewesen. Inzwischen gibt es weit über 1.000 unterschiedliche Kryptowährungen neben Bitcoin, der ersten bekannten Blockchain- oder Kryptowährung. Damit werden inzwischen Energietransaktionen zwischen Hauseigentümern durchgeführt oder sogar Transaktionen im Landkataster von Kommunen.

In diesem Beispiel kommen sogenannte Smart Contracts zum Einsatz, die auf der Kryptowährung Ethereum basieren und eine erhöhte Transparenz in der Abwicklung von Geschäften ermöglichen. Nicht nur die US-amerikanische Weltraumbehörde NASA setzt auf die neue Blockchain-Technologie, sondern ganze Wirtschaftssektoren, wie z.B. die Supply-Chain-Industrie, Verwaltungen oder Energiekonzerne.

Die wenigen erfolgreichen Betrugsversuche, die es bisher gegeben hat, richteten sich stets gegen die Verwahrungssysteme von Währungseinheiten, vergleichbar dem Einbruch in einen Tresor, nie aber gegen das System an sich. Diese Systeme könnten sich also nachhaltig auf die Art und Weise auswirken, wie wir heute Geschäfte betreiben. Es gibt etliche Bereiche, die über mehrere Handelsstufen abgewickelt werden. Wird man diese Handelsstufen aber zukünftig noch benötigen, wenn jede Transaktion verifiziert ist? 

Die Geschwindigkeit der Veränderung wird nie wieder so langsam sein wie heute. 

Vermutlich sind wir jetzt an dem Punkt angekommen, an dem wir uns nicht mehr fragen müssen, ob das alles Auswirkungen auf unsere tägliche Arbeit haben wird. Die Frage ist vielmehr: Was wird geschehen und wann? Darauf eine kluge Antwort zu geben, ist fast unmöglich. Nur so viel: Wir haben angefangen, uns gemeinsam mit ausgewiesenen Experten zu genau diesen Fragen auszutauschen.

Denn die Veränderungen treffen unser Wirtschaftssystem im Herzen: Für welche Zielgruppen werden wir zukünftig Produkte und Dienstleistungen entwickeln? Wie werden wir diese entwickeln? Welche Folgen wird die Vernetzung der Maschinen haben? Was bedeutet das für unsere Produktion, für die Wartung, die Lagerhaltung, den Vertrieb? Und wann? Wie schnell wird das alles geschehen? 

Was sich genau ändern wird, das wissen wir zwar noch nicht, aber wir bereiten uns trotzdem schon mal darauf vor. Wem das alles zu schnell geht, der möge kurz innehalten und den Moment genießen. Die Geschwindigkeit der Veränderung wird nämlich nie wieder so langsam sein wie heute.

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